Provision folgt Position

Wer von A nach B kommen will, muss wissen, wo A ist. Das gilt auch beim Bibellesen. Um sie richtig zu verstehen, musst du wissen, wo du stehst und wer du bist. Aber oft verstehen wir Verse falsch, weil wir unseren Standort nicht kennen. Ein gutes Beispiel dafür ist einer bekanntesten:

Lass uns ehrlich sein: Gibt es nicht immer irgendetwas, das uns fehlt und das wir brauchen – oder wenigstens meinen, zu brauchen? Wie also ist dieser Vers gemeint? Wörtlich ja wohl nicht, oder?

Als junger Christ las ich mir diesen Vers stets zum Gericht, denn für mich klang er in etwa so: Der Herr ist dein Hirte, also gib dich mit dem kleinen bisschen zufrieden, was du hast, und frag bloß nicht nach mehr! Und steht es nicht auch so in der Bibel? In Prediger 6,9 nämlich? Da lesen wir:

Nun muss man dazu wissen, dass das Buch Prediger von Salomo geschrieben wurde, in einer Zeit, in der er sehr frustriert war, ja, manche sagen gar depressiv. Deprimiert war er auf jeden Fall, denn das ganze Buch Prediger ist ein einziger Ausdruck seiner Unzufriedenheit. Salomo hatte bekanntermaßen sehr viel Geld. Also erfüllte er sich jeden Wunsch, und sei er noch so absurd, immer in der Hoffnung, dadurch glücklich zu werden. Doch das war nicht der Fall. Er tat also das, was viele Menschen heute auch tun: Er suchte sein Glück in materiellen Dingen anstatt bei Gott. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass er nach dieser Erfahrung zu obigem Schluss kommt: Es lohnt sich nicht, nach mehr zu fragen, denn zufriedener macht dich das nicht.

Wenn das jemand wie Salomo sagt, der superreich ist und bis zum heutigen Tage unangefochten die Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt anführt, ist das eine Sache. Eine völlig andere aber ist es, wenn du oder ich so denken sollen. Denn im Gegensatz zu ihm kann es uns durchaus an so einigem mangeln. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, aber gelegentlich können es auch ganz existentielle Dinge sein, wie z. B. das nötige Geld, um die nächste Miete bezahlen zu können oder die teure Autoreparatur. In solch einer Situation ist dir überhaupt nicht damit geholfen, dass dann so ein Bruder Schlaumeier ankommt und dich auffordert, dich mit dem zufriedenzugeben, was du hast. Denn das reicht ja eben nicht!

Ja, wir sollen und dürfen Gott vertrauen – auch und gerade dann, wenn es danach aussieht, als ob das, was wir haben, nicht genug wäre. Dabei muss es sich nicht unbedingt um Geld handeln, das gilt auch für Zeit, Freude, Hoffnung, Zuversicht und vieles mehr. Aber natürlich dürfen wir in jeder Situation mit unserer Not und dem Wunsch nach mehr – von was auch immer – zu Gott kommen und ihn darum bitten. Einfach deshalb, weil wir seine Kinder sind und weil er will, dass es uns gutgeht!

Denn das sagt der Vers in Psalm 23,1 ja eigentlich aus: Gott will, dass du von allem so viel hast, dass es dir an nichts mangelt! Ist das nicht großartig? Also mich begeistert das. Mein Vater liebt mich so sehr, dass er sagt: was immer es ist, dass dir fehlt, sag es mir einfach und du sollst es haben. Leider fällt es den meisten Christen schwer, das zu glauben. Viel zu oft denken wir an unsere eigenen Eltern zurück oder an andere Menschen, die uns gesagt haben: Das braucht es nicht. Und uns damit das Gefühl gaben, das neue Kleid, ein besseres Auto, den nächsten Karriereschritt schlicht nicht wert zu sein!

Wenn dir das bekannt vorkommt, dann ist genau heute der Tag, an dem du umdenken darfst. Denn Gott ist nicht wie ein Mensch. Jesus sagt:

Was mich fasziniert ist, dass die Möglichkeit, nichts zu bekommen, hier nicht mal erwähnt wird! Böse Menschen geben gemäß dieser Bibelstelle ihren Kindern nicht das, was sie sich wünschen, aber selbst sie geben ihnen irgendetwas! Und wir denken so oft, leer ausgehen zu müssen. Das ist nicht biblisch! Gott liebt dich. Er will nicht, dass es dir auch nur an irgendetwas fehlt! Mehr noch: er will dich überreich beschenken! Wie reich, das hat er am Kreuz gezeigt. Er hat Jesus für dich hergegeben! Daher frage ich dich: Wenn er das Kostbarste, was er hatte, für dich geopfert hat, kann er dir dann das, was du dir wünschst, vorenthalten? Wäre diese Sache dann nicht größer als Jesus? Oder, wie Paulus es in Römer 8, 32 formuliert:

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